Der Deutsche Sprachpreis

Die Vergabe des Deutschen Sprachpreises würdigt die Bemühungen um eine gute und verständliche deutsche Sprache. Hierzu tragen Personen mit ihrer Sprachgestaltung, ihrer Spracharbeit oder ihren Reflexionen über Sprache bei.


Sprachkritik ist oft nur Nörgelei, sie bedarf also einer guten, produktiven Begründung. Das haben die Preisträger Hans-Martin Gauger (1984), Uwe Pörksen (1990) und Walter Krämer (1999) geleistet. Die Darstellung unseres überreichen Wortschatzes erarbeitet in fast verborgener Arbeit die Redaktion des Deutschen Wörterbuchs. Es ist zu hoffen, dass mit der Preisverleihung von 1986 auch darauf aufmerksam gemacht werden konnte, dass hier eine Neubearbeitung dieses Nationalwerks im Gang ist; die Darstellung unseres Sprachbaues leistet Peter Eisenberg (Preisträger 1996) mit seinem Grundriss der deutschen Grammatik (4. Auflage 1999 und 2001), einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Deutschen erarbeitete Peter v. Polenz (2000). Theodor Ickler hat das Kapitel Rechtschreibung aufgearbeitet und gibt eine präzise Analyse ihrer Anlage (2001). Sprache lebt auch im Klang, in der Verlautbarung: der Schauspieler und Rezitator Will Quadflieg erhielt 1987 den Deutschen Sprachpreis; Sprache lebt aber auch im Gedicht: Preisträger 1977 war der Lyriker Wulf Kirsten. Dieser ästhetischen Dimension haben sich auch Karl Heinz Bohrer (2002) mit seinen literaturwissenschaftlichen Schriften auch der Konzeption der Zeitschrift Merkur verpflichtet, wie auch Peter von Matt (2004), der erfolgreich mit seinen Literaturerläuterungen ein allgemeines Publikum gewonnen hat.

Die Sprache der Wissenschaften machen uns das Verständnis schwer: der Naturwissenschaftler Martin Wagenschein (1985), der Rechtshistoriker Hans Hattenhauer (1995) und die Philologin Dorothea Kuhn (1998) erhielten den Preis für ihren Einsatz für eine verständliche Wissenschaftssprache. Umgekehrt ist die "schnelle" Zeitungssprache immer in Gefahr, schludrig daherzukommen. Die Redaktion des "Streiflichts" der Süddeutschen Zeitung, namentlich Benjamin Henrichs, Wolfgang Roth und Hermann Unterstöger (2003) und Heike Schmoll (2005), Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurden für ihre Bemühungen um ein gutes Deutsch in der Zeitung ausgezeichnet. Entgegen mancher Polemik und einer weiter verbreiteten Meinung über deutsche Aversionen gegen das Fremde steht die deutsche Sprache (und ihre Sprecher) in einem ununterbrochenen Strom der Auseinandersetzung mit fremden Sprachen seit althochdeutscher Zeit. Hierauf ist aber besonders hinzuweisen. Deshalb erhielt der Schriftsteller Hans Wollschläger 1987 den Deutschen Sprachpreis für seine Ulysses-Übersetzung, 1989 – kurz vor dem Fall der Mauer und der Auflösung des Ostblocks – eine Gruppe rumäniendeutscher Schriftsteller, unter ihnen Herta Müller und Richard Wagner für ihr Einstehen für die deutsche Sprache in missgünstiger Umgebung, 1991 Georges-Arthur Goldschmidt für seine Handke-Übersetzungen ins Französische und seine Betrachtung der deutschen Sprache "Quand Freud voit la mer. Freud et la langue allemande" (1988) sowie 1991 das Goethe-Institut für seine gescheite Vermittlung der deutschen Sprache im Ausland.


Die Preisträger 1984-2016

  • 2016 Gerhard Stadelmaier
  • 2015 Katharina Raabe
  • 2014 Konrad Ehlich
  • 2013 Oskar Reichmann
  • 2012 Rüdiger Görner
  • 2011 Gustav Seibt
  • 2010 Norbert Miller
  • 2009 Konrad Adam
  • 2008 Blanche Kommerell
  • 2007 Charles Linsmayer
  • 2006 Dieter Henrich
  • 2005 Heike Schmoll
  • 2004 Peter von Matt
  • 2003 Redaktion des Streiflichts der Süddeutschen Zeitung
  • 2002 Karl Heinz Bohrer
  • 2001 Theodor Ickler
  • 2000 Peter v. Polenz
  • 1999 Walter Krämer
  • 1998 Dorothea Kuhn
  • 1997 Wulf Kirsten
  • 1996 Peter Eisenberg
  • 1995 Hans Hattenhauer
  • 1994 Goethe-Institut zur Pflege der deutschen Sprache im Ausland und zur Förderung der internationalen kulturellen Zusammenarbeit (München)
  • 1991 Georges-Arthur Goldschmidt
  • 1990 Uwe Pörksen
  • 1989 Eine Gruppe rumäniendeutscher Schriftsteller: Herta Müller, Gerhardt Csejka, Klaus Hensel, Johann Lippet, Werner Söllner, William Totok, Richard Wagner, Helmuth Frauendorfer
    Anerkennungspreis an Hans Beckmann (Frankfurt am Main), Bezirksvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamten, Angestellten und Arbeiter
  • 1988 Hans Wollschläger (1935-2007)
  • 1987 Will Quadflieg (1914-2003)
  • 1986 Die Arbeitsstellen zur Neubearbeitung des Deutschen Wörterbuches von Jacob und Wilhelm Grimm bei der Akademie der Wissenschaften der DDR (Berlin) und bei der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
  • 1985 Martin Wagenschein (1896-1988)
  • 1984 Hans Martin Gauger


    Aktueller Preisträger

    Antragstellung

    Preisverleihungen