Der Ort der Preisvergabe: Weimar

Warum Weimar? Eine sehr deutsche Frage und es gibt eine sehr deutsche Antwort: seine Gegenwart.

Wittumspalais
Wittumspalais

Nationaltheater
Nationaltheater

Goethes Gartenhaus

Goethes Gartenhaus

Das zumindest war die Hoffnung von Christoph Martin Wieland anlässllich der Ankunft von Goethe in Weimar um 7. November 1775. Wieland meint, dass nun aus Weimar etwas Gescheites werden könne und begründet: das wird seine Gegenwart wirken. Das ist aber nicht die ganze Antwort. Denn Weimar hatte schon zuvor und für längere Zeit eine Funktion in der bunten Vielfalt Deutschlands übernommen, die in anderen Staaten selbstverständlich der Hauptstadt zukam. Diese fehlte in Deutschland und so wurde Weimar Gründungsort der ersten Sprachgesellschaft in Deutschland. Sie hieß nicht "Akademie", weil dieses fremde Wort aus Verstehensgründen gemieden werden sollte, sie erhielt aber ein barockes Wachstumsattribut. Als Fruchtbringende Gesellschaft hatte sie zeitweise 900 Mitglieder und inspirierte zu vielen Gründungen ähnlicher Gesellschaften in ganz Deutschland. Die Idee dazu hatte Fürst Ludwig von Anhalt, und er setzte sie zusammen mit den drei herzoglichen Brüdern am 24. August 1617 ins Werk.

Entfaltet wurde nun eine durchaus fruchtbare Übersetzungs- und Wortbildungsarbeit, an der entgegen allen staatspolitischen Eingrenzungsversuchen Spanier, Italiener, Franzosen und andere Europäer beteiligt wurden. Das war dann sicherlich die Grundlage dafür, dass Goethe 50 Jahre nach seinem Eintreffen in Weimar über sein Umfeld zu Eckermann sagen konnte, es habe nun alsbald tausend Poeten und nur einige Einwohner.

Weimar wurde der Ort des dichten Gesprächs, des intensiven Schreibens, eines weitläufigen Sprachlebens. Die Folgen für die deutsche Sprache blieben nicht aus: sie wurde anziehend, so sehr das wissbegierige Menschen außerhalb Deutschlands aufbrachen, um durch die Schwierigkeiten der Sprache hindurch vieler geistiger Reichtümer gewahr zu werden. Die Geisteswelt erfuhr weitreichende, langandauernde Impulse. Deutsch wurde zu einer Bildungssprache; die Schriftsteller hatten ihr zu weltweitem Ruhm verholfen, und die Welt blickte nach Weimar.

Aber nicht nur das: die deutschsprachige Welt hörte auch auf Weimar. Eckermann und Goethe unterhalten sich über die deutsche Aussprache.

Eckermann: "Ein sehr spaßhafter Fall ist mir neulich im Theater vorgekommen. Eine Dame soll einem Manne folgen. Sie hatte zu sagen: ich setze mein ganzes Vertrauen in den Edelmut deiner Züge. Tatsächlich sagte sie aber, und sie sprach das ü wie i aus: ich setze mein ganzes Vertrauen in den Edelmut deiner Ziege. Es entstand großes Gelächter." "Dieser Fall ist abermals gar nicht schlecht", erwiderte Goethe.

Sie hatten sich schon vielerlei solcher Geschichten erzählt. Für Theateraufführungen sind das natürlich erhebliche Beeinträchtigungen, weshalb Goethe in seinen Regeln für Schauspieler vor allem das vorgab, wovon das Theater lebt: eine tragfähige verlautbare Aussprache. Diese Idee war dann die Grundlage für die allgemeine Ausspracheregelung, die vor allem Theaterleute vor etwas mehr als hundert Jahren, im April 1898 dann als "Bühnenaussprache" festlegten und was die Grundlage für unsere allgemeine Aussprache ergab. Also auch hier: Weimar.